Auf der Suche nach dem Pilz

 

„Es muss regnen, danach ein paar Tage die Sonne scheinen. Du musst früh aufstehen und ein gutes Pilzmesser haben. Dann wird es vielleicht kein Metzgergang“ sie umklammerte in ihrer Jackentasche das rote Taschenmesser das sie als Kind schon hatte und lächelte als sie an die Worte ihres geliebten Opa´s dachte. Vor ihr erstreckte sich der lange gerade Kiesweg der sie in den tiefen Allgäuer Wald führte. Seit vielen Jahren ging sie schon mit ihrer Oma und jetzt auch mit ihrem Mann allein in den Wald zum Pilze sammeln. Doch die geheimen Plätze ihres Opa´s hatten sich schon in ihrer frühen Kindheit ins Gedächtnis verankert. Sie erinnerte sich an den riesigen Ameisenhaufen, der von Jahr zu Jahr größer wurde. Sie beobachtete gerne die vielen tausend Ameisen wie sie fleißig den Waldboden aufräumten.

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Direkt daneben plätscherte der kleine Bach, in dem sie schon bis zu den Knien drin gestanden hat. Und auf der anderen Seite hatte sie meistens den ersten Steinpilz der Saison gefunden. Als kleines Mädchen freute sie sich immer riesig, denn jetzt war sie der „Schwammerl König„ des Jahres. Irgendwann fiel ihr auf, dass ihr Opa den riesigen Pilz gar nicht übersehen hatte. Er wollte natürlich nicht auf das freudige Gesicht seiner Enkeltochter verzichten und stellte sich unwissend.

Diese Gedanken hatte sie jedes Jahr im Herbst wenn sie wieder diesen Weg ging. Zugegeben so früh wie damals stehen sie nicht mehr auf. Ihre Oma wollte nicht mehr unbedingt mit der Taschenlampe in den Wald gehen. Doch das mürrische Gesicht ihres Mannes, wenn schon ein anderer Sammler unterwegs war wollte sie damals nicht unbedingt sehen.

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Der Kiesweg ist lang, Zeit um nochmal in Gedanken zu checken ob man alles dabei hat. Neben dem Pilzmesser und den Stoffbeuteln für die Pilze haben sie immer genug Brotzeit und Getränke dabei. Nur Ihre Oma trägt zusätzlich noch Hausapotheke und Sitzpolster mit sich.

Sie ist gespannt ob sie heute schöne Steinpilze finden werden. Nicht jedes Jahr haben sie Glück. Auch hat sich der Wald in den letzten 20 Jahren sehr verändert. Von Stürmen und dem Zahn der Zeit geprägt, stehen die einst so dichten Wälder nun karger und offener da. Dem Spaß jedoch in der freien Natur zu sein und sich erden zu können tut dies keinen Abbruch.

Man sieht manche Dinge plötzlich anders. Der Alltag macht Pause und man erkennt erst wie schön ein gewöhnliches Schneckenhaus doch sein kann.

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Als sie endlich den Wald erreicht haben, der Untergrund von fest und steinig zu weich und nachgiebig wechselte, gilt ihre Aufmerksamkeit der zu findenden Pilze am Boden. Ihr Magen fing schon leicht zu knurren an als sie an die Steinpilz Tagliatelle mit Parmesan dachte die sie daraus machen könnte.

Die Sonne schien zwischen den Bäumen hindurch und lies ein kleines Spinnennetz vor ihr plötzlich glitzern. Sie erinnerte sich an ein Zitat von Erwin Koch „Plötzliche Erkenntnis ist wie das Spinnennetz im Morgentau“ wie war dieser Satz doch ist.

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Der nasse Waldboden roch holzig, kräftig und nach nassem Moos, aber nicht aufdringlich. Sie konnte die versteckten Pilze förmlich riechen. Immer wieder blieb sie für ein paar Minuten stehen und blickte sich im Wald um. Noch ein wertvoller Tipp ihres Opa´s. Und auch dieses Mal hat er funktioniert. Sie sah den ersten Steinpilz der Saison. Mit einem dicken weißen Stil und der hellbraunen festen Kappe stand er stolz vor ihr am Boden. Den Schnecken ist dieser Pilz wohl entgangen. Da war sie wohl schneller gewesen. Gleich dahinter stand nochmal so ein schönes Exemplar. Ein guter Start dachte sie. Sie griff in ihre Jackentasche und umgriff ihr noch unbenutztes Messer. Sie holte es heraus und öffnete die Klinge. Als sie in die Hocke ging betrachtete sie ihn nochmal. So selbstverständlich steht er da mitten im Wald. Er hat sich durch Moos und feines Geäst gekämpft. Seine glänzende Kappe streckte sich regelrecht der Sonne entgegen. Für viele ist es vielleicht einfach nur ein Pilz aber für sie ist es ein kleines Geschenk der Natur. Sie schnitt den Pilz tief unten ab, kratzte die Erde vom Stil und bedeckte die Schnittstelle wie sie es gelernt hatte. Diese Geheimnisse würde sie hüten, keiner soll sehen wo es was zu finden gab.

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Im Laufe des Vormittags füllten sich die Beutel mit Pilzen und es wurde Zeit für die Pause bevor sie den Rückweg antritten. Ein geeignetes Plätzchen fand sich immer. Ein umgefallener Baum diente wunderbar als Bank.

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Sie holte ihr Wasser heraus und trank einen Schluck. Tief atmete sie die Waldluft ein und genoss die Ruhe um sich herum. Nachdem sie ihr Käsebrot und die kleinen Cocktailtomaten aus dem Garten gegessen hatte packten sie sich wieder zusammen und gingen den Waldweg zurück zum Auto. Auch wenn Ihr gefundener Pilz der prächtigste und größte war hatte ihr Mann einen noch schöneren gefunden. Stolz präsentierte er sein Herz.

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Eine kleine versteckte Liebeserklärung für die er einen Kuss erntete. Sie gingen mit neuer Energie und Motivation nach Hause. Jetzt freute sie sich erst recht auf die Steinpilz Tagliatelle mit Parmesan. Als sie den Weg entlang zum Auto gingen erzählte sie ihrem Mann, dass sie sich schon freut wenn die Kinder etwas größer sind und sie sie mitnehmen können.

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Da erinnerte sie sich wieder an ihren Opa. Auch sie wird wohl den großen perfekten Pilz nicht sehen der direkt vor ihren Füßen steht….

 

Das Rezept zur Geschichte – Steinpilz Tagliatelle Mit Parmesan

 

Published by

Nina

Ich koche, backe und fotografiere leidenschaftlich gerne. Meine Kreativität und Freude hat eine Plattform gesucht deshalb ist dieser Blog entstanden.

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