Alternativer Markt im Oktober

Sie schlenderte bei kühlem Herbstwetter die nasse Dorfstraße entlang. Mit einer Drehung im Handgelenk schwenkte sie den Regenschirm zur Seite und hob ihren Kopf dem Himmel entgegen, es hingen viele graue Wolken an diesem Oktober Tag über den Köpfen der Markt Besucher. Es regnete und ein kräftiger Windhauch ließ sie plötzlich frösteln. Schnell zog sie ihre warme Strickjacke am Hals weiter zusammen und konzentrierte sich auf die vielen schönen Eindrücke die sich ihr nun boten. Sofort wurde die Erinnerung wach warum der Alternative Markt in Altusried schon Monate vorher mit einem Herzchen im Kalender von ihr eingetragen wurde. Die vielen Aussteller, Handwerker und Händler mit biologischen, ökologischen, nachhaltigen, ausgefallenen oder seltenen Angeboten ziehen die Menschen von nah und fern jedes Jahr auf´s neue in das Nachbardorf.

Für sie ist vor allem kulinarisch immer etwas Neues zu entdecken deshalb steuert sie zielstrebig auf einen Afrikanischen Gewürze und Tee Stand zu. Den sie noch nicht kannte. Noch bevor ihre Nase an den Schnupper Gläschen mit verschiedenen Kakao Variationen und exotischen Gewürzen riechen konnte, verwöhnten diese Düfte schon ihre Sinne vollends.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Sie las aufmerksam die Beschriftungen der Beutelchen und Gläser durch. Das Interesse für die Inhaltsstoffe ihrer Lebensmittel wird ihr immer wichtiger. Nach einem, schon fast freundschaftlichem, Gespräch mit dem sympathischem Verkäufer kaufte sie den Orange Kakao sowie einen Orientalischen Mix aus Kakao und Gewürzen. Über diesen wird sich ihr Mann sicher freuen. Ein exotisches Bananen Curry Gewürz durfte an dieser Stelle nicht fehlen. Als sie ihren Regenschirm aufspannte um sich wieder ins kühle Nass zu begeben formte sich in ihrem Kopf schon ein passendes Rezept für ein wohlschmeckendes Gericht. Sie war völlig in Gedanken versunken erst jetzt bemerkte sie den musizierenden Drehorgelspieler. Mit seinem Frack und dem Schwarzen Zylinder auf dem Kopf sah er aus wie einer vergangenen Zeit entsprungen. Nicht nur für sie sah er interessant aus. Auch Kinder auf den Schultern der Väter die vorbei gingen drehten und reckten ihre kleinen Köpfe um der Musik noch eine Sekunde länger zu lauschen. Mit kalten Fingern fummelte sie aus ihrer Hosentasche ein Gold schimmerndes 50 Cent Stück heraus, dass sie dem zum Dank nickenden Musiker in den kleinen Korb warf.Alternativer Markt 1

Ihr Blick schweifte vom Drehorgelspieler ab und blieb an einem Stand mit Holzwaren hängen. Als sie sich die Kochlöffel, Salatschüsseln und Schöpfkellen ansah hauchte ein erneuter Windstoß den am Stand hängenden Schneidebrettchen Leben ein. Nicht nur das sie anfingen wie wild zu wackeln, der dumpfe Klang als sie aneinander klapperten war besser als von einem gekauften Windspiel. Der Mann neben ihr schien es auch bemerkt zu haben und kaute mit einem leichten Grinsen weiter auf seiner mit Speck, Käse und Kartoffeln belegten dampfenden Dinette herum.

Alternativer Markt 9

Der Regen hatte sich gelegt. Es war zwar nach wie vor kalt doch an dem Joghurt – Maracuja Eis konnte sie dennoch nicht vorbeigehen. Sie gönnte sich eine Kugel und genoss diese während ihre Augen dem Text einer großen Tafel zum Thema Gentechnik aufmerksam folgten. Neben ihr drehte sich mit vielen lachenden Kindern ein buntes leuchtendes Karussell. Ob genug Menschen umdenken können und anfangen zu handeln damit auch die Kinder dieser Kinder unbeschwert und lachend auf einem Karussell fahren können? Viele Prospekte und Informationsmaterialien wanderten in Ihre Tasche, zuhause bei einer Tasse Tee hatte sie Zeit sich genauer damit auseinander zu setzen. Sie ging weiter und steuerte den von ihrem Mann geliebten Wild und Pferdefleisch Wagen an.

Alternativer Markt 6

Bis vor einem Jahr konnte sie sich nicht mal annähernd vorstellen Wildschwein, Hirsch oder gar Pferd zu essen. Von Mal zu Mal wurde sie mutiger und regelrecht neugierig die Lebensmittel zu probieren die ihr viele Jahre eher ein grausen verursacht haben. Das liegt wohl an der neu entdeckten Lust und Kreativität am Essen die sich allmählich entwickelt. Nachdem die Verkäuferin mit dem schwungvoll klingenden Dialekt sie Pferd, Wildschwein und Lamm probieren lies war sie wieder aufs Neue überrascht wie gut etwas das sie nicht mochte doch schmecken kann. Der Geschmack allein war schon Überzeugung genug nicht nur ihrem Mann sondern auch sich selbst etwas mitzunehmen, doch der für ihr Produkt so leidenschaftlich überzeugten Frau musste sie einfach zuhören. Sie erzählte, dass sie in den Produkten mit Hirsch, Reh und Lamm auf das ungesunde Schweinefleisch als Bindung verzichten stattdessen verwenden sie Brustfett von jungen Rindern. Sehr viel Freude hat sie dabei neue Kreationen zuhause ausgiebig auszuprobieren um ihren Kunden so viele Rezeptanregungen wie möglich mit zu geben.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mit interessanten Anregungen verließ sie dankend den Stand und ging weiter. Das Eis von vorhin bereute sie zwar nicht doch es hat nicht gerade dazu beigetragen die Kälte von ihr abzuhalten. Sie überlegte daher nicht lange und betrat sogleich das orientalisch geschmückte Zelt aus dem es einladend nach Tee und Kaffee roch. Das Innere wurde von einer bunten indisch aussehenden Lampe in einen feinen Glanz gehüllt. Sofort spürte sie die Wärme die der Heizpilz in der Mitte des Zeltes verströmte. Der Boden war mit Teppichen und farbigen Kissen bedeckt, die kleinen flachen Tische ließen alles sehr authentisch wirken. Der angeschriebene Matcha Latte auf der Tafel schrie förmlich danach von ihr bestellt zu werden.

Alternativer Markt 4

Als sie diesen dann auf dem Boden sitzend genoss hörte sie draußen wieder Regentropfen auf das Zeltdach fallen. Doch dieser fröstelnde Gedanke erreichte sie in diesem Augenblick nicht, da der Grüne Tee sie bestens aufgewärmt hatte. Als sie fertig war vertrat sie sich außerhalb des Zeltes die Beine. Vor kurzem hatte sie sich in einer Kochshow zum Thema Speiseöle vieles erklären und sich belehren lassen. Gutes Öl für den Automotor also auch gutes Öl für den menschlichen Motor. Deshalb kaufte sie noch ein Probierpaket aus der Allgäuer Ölmühle. Haselnuss, Walnuss und Zitronenöl.  Der Verkäufer mit dem auffallendem Zwirbelbart war sehr freundlich und machte sie noch auf ein Paket aufmerksam das sie sich gleich für Weihnachten vorgemerkt hatte. Ein Stück um die Ecke verkauften Bio Bauern ihr Obst und Gemüse. Neben Kohlrabi und 2 Kilo Gravensteiner Äpfel durfte Purple Haze die lila Urkarotte im Einkaufskorb nicht fehlen. Ihre zwei Kinder lieben Karotten. Die Zeit ist schon wieder wie im Fluge vergangen Ihre Kinder warten sicher schon. Etwas schneller ging sie die restlichen Stände durch. Sie kaufte noch ein Stück Bergkäse, Käferbohnen aus der Steiermark, lecker Fruchtaufstriche und ein Päckchen Knäckebrot, das mit den verschiedenen Körnern und Saaten später als „Keks“ ihren Kindern viel Freude und Genuss bereiten soll.

Alternativer Markt 12

Auch nachdem sie den Markt verließ und sich zum Auto begab hallten die Töne der Musiker und die Rufe der Markthändler nach.

Auch nächstes Jahr wird sie wieder hier sein um zu entdecken und zu genießen. Sie hob den Kopf dem Himmel entgegen noch immer hängen graue Wolken über ihr aber es regnet nicht.

Das passende Rezept

 

Published by

Nina

Ich koche, backe und fotografiere leidenschaftlich gerne. Meine Kreativität und Freude hat eine Plattform gesucht deshalb ist dieser Blog entstanden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s